Über das Vergnügen des Künstlers als Dienstleister

Was kann es sein, das dem Künstler Vergnügen bereitet?

Eine angemessene Entlohnung etwa?
Und wie sieht die aus, Applaus, Anerkennung, Respekt oder etwa Geld?
Oder ist das Handeln Geld einzufordern als Künstler ein anderes wenn man sich als Dienstleister bezeichnet?
Ist die Kommunikation mit Institutionen und Auftraggebern einfacher, wenn man eine Bezahlung einfordert?
Oder dient er etwa der Kunst und ist dadurch eine Art »Kunst-Mönch« der seine Sonne in sich sucht und nur auf eine Art Almosen hoffen soll?

Zu Antworten hatte mich die Kunstmesse »TAUSCH« verführt, als es hieß sich einen Vortrag auszudenken, nun, ich habe es versucht:

Ich möchte heute Abend in den 15 Minuten nicht eine Kummerviertelstunde bestreiten sondern überlegen was es damit auf sich, wenn man seine Arbeit/Dasein als Künstler auch mit dem Wort Dienstleistung beschreibt.

Vielleicht sollte man besser den Begriff Kunstdienstleistung einführen, allerdings ist der Beigeschmack des Geldes immer noch zu stark .
Zuerst dachte ich, es ist doch fehl am Platze, denn damit ist sofort nur die reine Ökonomie gemeint die dahinter steckt. Warum sollten wir Künstler nicht mal andersherum denken. Denn warum sollten wir Künstler nicht auch dieses Wort stärker benutzen um etwas deutlich zu machen: Unsere Leistung ist wertvoll. Sie wird erbracht in Form des künstlerischen Produkts, das für Gedanken und Sehweisen-Gymnastik Vorlagen anbietet, in welcher Form auch immer.

Natürlich behaupten einige, diese Leistung entstehe ja immer freiwillig und meist ungefragt, dies ist die simple Antwort darauf, warum denn dies keine bezahlbare Dienstleistung sei. Man fragt sich allerdings warum es dann noch Akademien und Hochschulen gibt die das konkret unterrichten.

Neuerdings kommt dann die These auf, dass Künstler versuchen, eigentlich ohne Publikum auszukommen, ganz im Gegenteil zu dieser TAUSCH-Veranstaltung hier. Der medial-vernetzte Künstler, so stand es vor kurzem im Vorwort des Kunstjournals Monopol, benötigt nur noch sich als Geist und die unendlichen Tiefen des Netzes… Verschwindet dann das Menschliche in der Kunst, also das Gegenüber, ist es nur noch Selbstzweck ? Ohne auratische Energie die eigentlich von »original-direkter Kunst« ausgeht?

Kunst als Produkt, ist denn dies nicht eher als Forschen einzustufen von Sehern aus unserer Zeit? Und ist dies nicht auch eine Leistung? Dieses Wort gefiel mir immer besser als ich darüber nachdachte eine offizielle Rechnung zu schreiben für die Lichtinstallation »Feel Ovale«, im Rahmen der Veranstaltung »Nacht der Museen«, der Auftraggeber war die neue Skyline-Plaza Shopping-Mall. Genau, dies war eine Dienstleistung für eine Image-Werbung, also eher kein Honorar. Honorar klingt immer nach Gönnerhaftigkeit und soll die alte Tugend beschwören, sich Künstler zu halten, die den Rang des intelligenten Hofnarren haben aber immer damit rechnen müssen in Ungnade zu fallen. Dies hört sich bei dem Wort Dienstleistung, oder besser Kunstdienstleistung einfach konkreter an und wird sofort verstanden. Es geht dabei um Respekt und Austausch von positiver Energie. Mir bereitete es zum zum ersten Mal Vergnügen, das Wort Dienstleistung mit in die Rechnung zu setzen…

Künstler müssen heute alles sein: Kurator, Producer, Marketingleiter, Pressesprecher, also eigentlich eine ganze Firma. Für mich selbst zählt nur die künstlerische Überzeugungskraft. Tendenzen, wie sich das Lerben in Zukunft anfühlen und die Direktheit der Sinneserfahrung anders wird, verändert auch die Kunstausbildung. So ist es schon längst etwa verpönt, Aktzeichnen an Akademien zu unterrichten, mit dem Hinweis, dies könne man ja woanders machen, etwa an Volkshochschulen… Kunst in Akademien soll global aufgefasst, als solche auch so funktionieren und eigentlich ohne Betrachter auskommen? Der Kunststudent mit seiner noch in der Entwicklung befindlichen Dienstleistung sucht möglichst bald die Spezialisten wie Kuratoren, Galeristen und Museumsleute auf… in der Hoffnung nicht allein zu sein. Das bewusste Nichtsuchen des Publikums oder Auskommen ohne die Präsenz des Gegenübers ist meiner Meinung nach ein Zeichen unserer Zeit und ein Hinweis auf welch schwierige Zeit sich Kunst und Kultur einzustellen hat.

Die berühmte Performance Künstlerin Marina Abramovic bringt es nun auf den Punkt, sie zeigte in einer ihrer letzten Ausstellung einfach »Nichts«, eine leere Galerie, sucht aber gleichzeitig das Publikum, denn nur so macht eine Ausstellung Sinn. Sie erbringt die Leistung des anscheinenden Nichts, provoziert damit sogleich und gibt genau denen recht die es immer schon gewusst haben: es ist halt nichts. Sie brüskiert eigentlich unbewusst viele fleißige Künstler deren Hand- und Kopfarbeit zu nichts führen soll als zum Nichts? Buddhistisch gesehen kann sie durchaus recht haben, nur das Nichts ist schwer handelbar.

Ich möchte aber dafür plädieren dem Nichts etwas entgegenzusetzen. Es ist die Neugierde auf etwas noch nicht Gesehenes und Erfahrenes mit der Antwort, in Materie zu arbeiten, eingeht. Dafür ist das Wort Dienen mit dem Wort Leistung eine vortreffliche Verbindung.

»Man kann kein Künstler sein, sondern nur eine Funktion der Kunst« (Leider ist nicht mehr herauszufinden von wem dieses Zitat stammt …). Mir gefällt dieser Satz, denn er gibt dem Künstler das Gefühl nach oben zu schauen. Sie dienen der Kunst mit einer Leistung die sie erbringen ohne zu wissen ob es jemals als Leistung anerkannt wird. Gleichzeitig denke ich, dass wir Künstler uns mehr solidarisieren müssen um die Funktion der Kunst nicht in Frage zu stellen. Stimmt die Behauptung, Künstler entziehen sich der normalen verbrauchsorientierten Wertschöpfung und sind sogleich damit politisch? Immerhin überlegenswert.

Bei einer grünen Diskussionsveranstaltung gab es Überlegungen der Gruppe der Künstler die in der KSK (Künstlersozialversicherung) versichert sind, ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 800 Euro jeden Monat zukommen zu lassen. Sozusagen als Versuchsballon wie es in der Praxis umzusetzen sei. Die nachfolgende Diskussion erstickte dann selbst bei den Künstlern, die sich nirgends einordnen lassen wollen und sich auf keinen Fall dafür hergeben wollen … ich war erschrocken über so wenig Mut etwas zu verändern. Ich hielt dieses Experiment für gut und ich bin sicher dass sich dies auch als Erfolg erweisen würde. Leider fehlt da ein Zusammenhalt der Künstler die dies mit einer Stimme einfordern. Stichwort Unterstützung: Eventuell müsste man es anders versuchen und etwas einfordern: Warum nicht die Entsteuerung der Kunst fordern, nicht den Handel, sondern den Ort/Person der Entstehung! Es müsste sozusagen absetzbar gemacht werden, Kunst zu machen. Weil der Mehrwert nach meiner Meinung ein rein ideeller ist. Wenn Kunst für Künstler eher ein Forschen nach Möglichkeiten ist, muss die Kraft doch hier ihren Ursprung haben: im grenzenlosen Optimismus. Die künstlerische Lösung geht, wenn nicht sofort, dann morgen und dann vielleicht nochmal andersherum.

In einer Gesellschaft die zunehmend von technischen Dingen beherrscht wird und die nur noch wenige echte Fachleute erklären können, ist der Umstand, mit dem Nichtverstehen zufrieden umzugehen, eine Möglichkeit dieser Parallelwelt zu trauen. So auch in der Kunstwahrnehmung? Ihr sozusagen zu sagen, das »Nichtverstehen, aber doch Benutzen und Respektieren« ist eine schon nicht mehr ganz neue Formel von Kunst, auch in der Wissenschaft.

Diesen Sockel füllen wir mit dem Suchen nach dem »Unsinn Kunst« ganz gut aus, dazu sollte aber Kunst als Dienstleistung anerkannt werden, als eine Art DenkWürfel der sich drehen lässt, bis man eine Idee neu denken kann. Und manchmal kommen dann die Besucher durch das Drehen auf ihre eigene Lösung an der sie gerade herum tüfteln. Das macht unsere Gesellschaft so besonders, finde ich, und am wichtigsten dabei ist, dasS die Neugierde erhalten bleibt!

Nun möchte ich noch einen kleinen Exkurs machen zu Erfahrungen mit meiner eigenen Neugier, die ich während meinen Lichtinstallationen bei den letzten 3 LUMINALEN in Frankfurt machte.
Als Maler hat mich schon immer eines besonders interessiert: das farbige GRAU. Besonders hervorheben lässt sich das wenn gegenüber einer Fläche reine Linien stehen. Durch meine Paraffin-Arbeiten, die oft nächtliche Situationen zeigen, hatte ich dann die Idee eine farbige Linie gegen das Grau und die Dunkelheit der Nacht zu stellen, sozusagen live zu erfahren. Sie sollte so dimensioniert sein dass sich der Betrachter hinein begeben kann. Wie eine Zeichnung auf farbigem Grau. Aber Vorsicht, bitte keine Lichterketten die nach Weihnachts- oder Peepshowdekorationen aussehen, nur wie komme ich da weiter zur Realisation?

Auf der Fachmesse Light+Building 2010 entdeckte ich dann eine Lichtschnur, die mit Phosphor als Leuchtmittel brennt und die sehr einfach zu biegen und anzuschließen zu sein schien. Für »Leda OF position« entwickelte ich ein geschweißtes Grundgerüst und arbeitete unendliche Stunden an der Befestigung der Anschlüsse. Ergebnis war ein feines Leuchten das sich offensichtlich nicht dauerhaft für draußen eignete da es durch Feuchtigkeit zu Ausfällen kam.

Auf der nächsten Messe Light+Building 2012 sah ich dann das, was ich wollte: ein möglichst biegsames LED-Kabel, das sich alle 8 cm kürzen lässt. So kam ich auf die Firma PROLED aus Augsburg. Nachdem ich einen Termin vor Ort hatte fuhr ich gespannt dorthin. Der Chef persönlich empfing mich und sagte mir schnell seine Bereitschaft zu, mich zu unterstützen, ein wahrer Glücksfall. Denn 1 Meter dieser Ware kostet schon mehr als 50 Euro. Und ich benötigte mindestens 150 m. Er fragte mich welche Farben, ließ alles einpacken und wünschte mir gutes Gelingen. Und das alles für die Kunst, ohne konkrete Gegenleistung. Ich sicherte ihm zu, die Abbildungen für seine Werbezwecke zu benutzen zu dürfen. Die LED-Flextubes waren natürlich nur die Grundausstattung, denn es fehlte noch die Stromversorgung. Nun machte ich einen Schritt in die Zukunft und kaufte 4 LichtControler die alles steuern was mir so vorschwebt und es hat sich gelohnt!

Meine Erfahrung, eine Firma als Sponsor zu haben der natürlich auch etwas davon hat, nämlich die künstlerische Werbung für sein Produkt, war schon der erste kleine Schritt als Dienstleister in einer Kette von Verknüpfungen gesehen zu werden. Allerdings war es schon ein tolles Gefühl es verwirklichen zu können, dies war dann der Lohn meiner Energie. So etwas hatte ich bisher noch nie gemacht, einfach versuchen jemanden zu finden der Kunst als positive Energie wahrnimmt und es gern unterstützt.
Das Publikum war da und es entstanden hunderte von Handy-und Kamerafotos.

Eines frühen Abends kam ein älterer Herr auf mich zu als ich gerade dabei war die Installation anzustellen. Er war sichtlich aufgeregt und schimpfte auf die Stadt die solchen Unfug bezahle. Ich war fassungslos. Beruhigte ihn das die Stadt mir noch nicht mal den Strom dafür bezahle und mir wurde dabei eins deutlich: Wird dies eventuell noch von weiteren Personen so gesehen, denken die meisten, so dass es alles schon finanziert wird und die Künstler unterstützt werden? Ist denn Geld die einzige Form um die es dabei geht? Nach einigem Hin und Her und grübeln vergaß ich diese Schimpftirade. Ich war ja schließlich fünf Abende da um das Projekt zu betreuen und es anzustellen.
Am folgenden Abend stellte ich mich einfach in die Reihe des Publikums und hörte dann einem Mann zu, der über meine Installation zu einer Gruppe sprach. Es handelte sich um eine öffentliche Führung, für die Besucher bezahlen, und womit der Vortragende auch etwas Geld verdient. Der Luminalen-Führer war begeistert und reflektierte es so als ob ich mit ihm schon geredet hätte, die künstlerische Message war offensichlich angekommen… Ich war auf einmal total zufrieden und vergaß schnell den älteren schimpfenden Mann… Stattdessen hatte ich nun die Möglichkeit mit dem Kunsthistoriker eventuell auch einen kleinen Film zu machen. Er willigte ein, mir dabei zu helfen und so entstand der Film zu dem Projekt.

Ich stellte immer deutlicher fest, dass ich freiwillig/unfreiwillig in einer Kette von Dienstleistern positiv verstrickt war. Das Ergebnis und mein Lohn war es, dass der Luminalen-Führer der Gruppe den Text für mich nochmal als Datei zuschickte, was er dann auch tat und ich dankbar annahm. Ein Vergnügen, eine Art Entlohnung nun in den Händen zu haben: das Feedback in Form eines Films. Der Optimismus in mir stärkte sich und dann wurde es mir klar: Dies ist das Vergnügen was ich meine!
Ich hatte 2012 schon gesehen wie sich die Betrachter verhalten und beobachtete, wie sich Einzelne oder Gruppen dabei in posenhafter Manier gern dort fotografieren ließen, dem wollte ich nochmal hinterhergehen.

Im Jahr 2014 hatte ich die Idee mit den interaktiven RGB Ovalen: Feel Ovale. Mit dem Programmierer Niklas Beinghaus hatte ich die Möglichkeit gefunden, eine Idee zu verwirklichen die genau darauf eingeht. Der Besucher kann im Laptop sein Geburtsdaten eingeben und es wurde ein bestimmter Lichtton erzeugt. Das Farbergebnis gab immer wieder Anlass zu Kommentaren wie: Dies ist aber nicht meine Lieblingsfarbe, oder kann ich nicht z.B. Grün-Gelb haben, usw.? Für mich war nur entscheidend, dass man sensibilisiert wird für das Spiel mit Licht und Wirkung.
Natürlich gibt es noch einen philosophischen Hintergrund, der auf Rudolf Steiners Theorie von der Aura des Menschen in Form von kreisenden Ovalen um den Körper herum basiert, aber dies ist eine andere Geschichte…

Mir hat das Ergebnis sehr viel Freude und Anerkennung gebracht und mir gezeigt, dass eine Dienstleistung für die Kunst sich meistens lohnt. Auch wenn es finanziell ein Abenteuer ist, ist es ein Vergnügen, vor allem mit Publikum.

Somit schließe ich meinen kleinen Beitrag mit der Bitte über den Begriff »Über das Vergnügen des Künstlers als Dienstleister« mehr als zu schmunzeln.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmersamkeit.

Abb.: © Johannes Kriesche, »Feel Ovale«, 2014, am Hafen 2, in Offenbach am Main.